Cloud-Dienste sind aus dem modernen Finanzsektor nicht mehr wegzudenken. Sie sind mittlerweile ein fester Bestandteil in der Gestaltung der IT-Infrastruktur von Banken geworden. Dabei werden zunehmend auch geschäftskritische IT-Funktionen in die Cloud ausgelagert. In diesem Zusammenhang steigen jedoch auch die Anforderungen an deren Kontrolle und Absicherung. Einerseits liegen die Vorteile von Cloud-Diensten – wie Kosteneffizienz, Skalierbarkeit, moderne Sicherheitsmechanismen und Zugang zu Innovationen – auf der Hand. Die Europäische Zentralbank (EZB) betont jedoch gleichzeitig die damit verbundenen Risiken, etwa durch die starke Abhängigkeit von wenigen großen Anbietern, eingeschränkte Kontrollmöglichkeiten und erhöhte Anforderungen an Informationssicherheit und Resilienz.
Vor diesem Hintergrund konkretisiert der am 16. Juli 2025 veröffentlichte EZB-Leitfaden zur Auslagerung von Cloud-Diensten die aufsichtsrechtlichen Erwartungen an Institute unter direkter EZB-Aufsicht. Im Zentrum stehen die Umsetzung der Anforderungen aus der EU-Verordnung zur digitalen operationellen Resilienz (DORA), die Behebung aufsichtlicher Defizite sowie die Etablierung praxisnaher Umsetzungsstandards. Der Leitfaden enthält keine neuen Rechtsvorschriften. Er ergänzt bestehende Vorgaben um die Erwartungen der EZB und bietet konkrete Empfehlungen („Good Practices“) für eine sichere, kontrollierte und gesetzeskonforme Nutzung von Cloud-Diensten.
Die EZB definiert in ihrem Leitfaden klare Vorgaben für den Einsatz von Cloud-Diensten in Finanzinstituten. Ziel ist es, Risiken im Cloud-Umfeld wirksam zu steuern, um Stabilität, Sicherheit und Geschäftskontinuität zu gewährleisten, Schwachstellen zu minimieren und regulatorische Anforderungen konsequent zu erfüllen. Kurz gesagt: Mehr Schutz, mehr Kontrolle, mehr Resilienz im Finanzsektor. Im Zentrum stehen dabei fünf zentrale Themenbereiche: Governance, Resilienz, Datensicherheit, Exit-Strategien sowie Überwachung und Auditierung.
Der EZB-Leitfaden macht deutlich: Die Nutzung von Cloud-Diensten entbindet Institute nicht von ihrer regulatorischen Verantwortung. Im Gegenteil – IKT-Risiken müssen auch im Cloud-Kontext durchgängig, strategisch und eigenverantwortlich gesteuert werden. Insbesondere bei kritischen oder wichtigen Funktionen gelten verschärfte Anforderungen an Steuerbarkeit, Kontrolle und Ausfallsicherheit.
Für beaufsichtigte Institute bedeutet das konkret:
Fazit
Mit dem Leitfaden setzt die EZB klare und praxisnahe Maßstäbe für eine sichere Auslagerung von Cloud-Diensten im Finanzsektor. Die Anforderungen gehen weit über technische Einzelaspekte hinaus und betreffen zentrale Themen wie Resilienz, Governance und Datenhoheit. Institute, die sich frühzeitig und strukturiert mit diesen Erwartungen auseinandersetzen, sichern nicht nur ihre regulatorische Konformität, sondern stärken zugleich ihre operative Stabilität im digitalen Umfeld.
Unsere Expertinnen und Experten bei BDO verfügen über umfassendes Know-how zu allen relevanten regulatorischen Anforderungen – von branchenspezifischem Wissen bis hin zu erprobten Good Practices. Profitieren Sie von unserer Erfahrung und Expertise im Bereich regulatorischer Compliance für Ihre Projekte und sprechen Sie uns gerne an.
